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Süd Shaolin Kung Fu

(Siu Lam Chi Sim Weng Chun Kung Fu)
von Sigong Andreas Hoffmann

boddhidharma

 

 

 


 

Der Legende nach gelangte der buddhistische Mönch Bodhidharma im Jahre 520 n. Chr., aus Indien kommend, in das dortige Kloster von Shaolin (Siu Lam). Bodhidharma entwickelte in der Auseinandersetzung mit den Fragen der Ganzheitlichkeit des menschlichen Seins, des Körperbewusstseins, des Umgangs mit Energie, Kraft und Aggressivität den Grundstock des Weng Chun (die Weng Chun Kung Fu Clans feiern bis heute den “Geburtstag” von Bodhidharma).

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Tempel der “ewigen Lebenskraft”
Im Südshaolin Kloster wurde ein spezieller Tempel eingerichtet, in dem sich nur die erfahrensten Mönche über Jahrhunderte trafen, um ihr Kung Fu zu verfeinern und zu verbessern. Der Tempel bekam den Namen Weng Chun, was “ewige Lebenskraft” bedeutet.

Der neu aufgebaute Süd Shaolin Tempel in China

 

 

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Die Philosophie - Grund der Effektivität
Für die Shaolin Mönche stand das direkte Erleben der Wirklichkeit im Vordergrund. Ihre Philosophie des Chan-Buddhismus bedeutete eine Rückkehr zum Natürlichen und Einfachen. Dies stand oft im Gegensatz zu der Philosophie von Kampfstilen, die außerhalb des Tempels unterrichtet wurden. Diese bezogen sich oft auf Magie, Glauben oder Gehorsam vor der älteren Generation. Deshalb sammelten sich im Weng Chun Tempel nur die Kampfkonzepte, die wirklich einfach und direkt funktionierten.


Shaolin Abt Chi Sin Sim Si - Bewahrer der Kunst
Aufgrund von Verrat wurde der Shaolin Tempel im 18. Jahrhundert von den herrschenden Mächten zerstört.
Der Shaolin Abt Chi Sin Sim Si konnte mit einigen anderen Mönchen fliehen und heuerte auf der “Roten Dschunke” unter falschem Namen als Koch an. Die “Rote Dschunke” war das Schiff einer chinesischen Operntruppe, die von Stadt zu Stadt schipperte, um das Volk zu unterhalten.

Tiger Wong tyrannisiert die Mitglieder der “Roten Dschunke”
Einer der brutalsten Kung Fu Kämpfer seiner Zeit, Tiger Wong, versuchte Schutzgeld von der Operntruppe zu erpressen. Er setzte ihr ein Ultimatum von einem Tag. Würden sie nach Ablauf dieser Zeit nicht bezahlen, würde er ihr Boot zerstören. Der Chef der Operntruppe, Wong Wah Bo und seine Truppe waren verzweifelt. Sie hatten kein Geld und darüber hinaus konnten sie sich nicht schützen, da sie kein “Kampf-Kung Fu” sondern nur “Opern-Kung Fu” beherrschten. Als das Ultimatum verstrichenen war, spürten die Mitglieder der “Roten Dschunke” schon ihr Ende nahen.

 

Der “verrückte” Koch stellt sich dem Kampf
Doch plötzlich stellte sich der in ihren Augen bisher etwas verrückte Koch in Tiger Wongs Weg. Tiger Wong nahm den vermeintlichen Koch nicht ernst und versuchte diesen mit einer einfachen Tigerpranken-Technik am Hals zu fassen. Der “Koch” borgte die Kraft von Tiger Wong und brach ihm sofort zwei Finger. Außerdem riet er ihm, den Kampf zu beenden, weil Tiger Wong keine Chance hätte. Dieser war außer sich vor Zorn. Ein älterer, einfacher Koch blamierte ihn in aller Öffentlichkeit. Mit schnellen und brutalen Kettentechniken mit Armen und Beinen versuchte er den Koch zu besiegen. Doch dieser ließ Tiger Wong zunächst ins Leere laufen und fesselte plötzlich dessen Arme und Beine mit “Fangarm-Techniken”. Je mehr sich Tiger Wong bewegen wollte, um so mehr verletzte er sich durch die Fangarmtechniken des Kochs. Tiger Wong merkte, dass er seinen Meister gefunden hatte und gab den Kampf auf.
(Der Kampf zwischen Tiger Wong und Chi Sin Sim Si wurde von verschiedenen Weng Chun Kuen Clans in unterschiedlichen Versionen dargestellt).

 

Das lebenswichtige Geheimnis
Die Mitglieder der “Roten Dschunke” waren begeistert und wollten sofort von ihrem Koch das Kung Fu erlernen. Abt Chi Sin Sim Si gab seine wahre Identität preis und war bereit, die Operntruppe zu unterrichten. Da er aber einer der am meisten verfolgten Menschen seiner Zeit war, mussten seine Schüler ihm versprechen, nie seinen Namen zu nennen. So wurden in dieser Zeit viele Legenden über das Weng Chun gebildet, um Meister Chi Sin Sim Si zu schützen. Unter der Leitung von Wong Wah Bo wurden die ersten Weng Chun Schüler auf der “Roten Dschunke”: San Gam, Leung Yee Tai and Leung Lan Kwai.
Nur die Weng Chun Meister, die das ganze System von ihrem Meister erlernten, wurden über die wahren Begebenheiten aufgeklärt.

 

Das “Schöne Gesicht” wandelt “den Zornigen”
Während der Ching Dynastie stellten oft seriöse männliche Künstler weibliche Rollen in Opernstücken dar. San Gam war ein exzellenter Künstler, der auf der einen Seite besonders weibliche Rollen in der Oper sehr gut spielte, aber auf der anderen Seite das Weng Chun der “Roten Dschunke” bei Kämpfen am besten vertrat. San Gam war sein Beiname und bedeutet sinngemäß “schönes Gesicht”.
Als San Gam eines Tages im südchinesischen Fatshan Opernkleidung für die “Rote Dschunke” besorgte, wurde er von dem jungen, rüpelhaften und jähzornigen Schneiderlehrling Fung Siu Ching verhöhnt und angegriffen. Der bullige Fung Siu Ching musste erst sieben mal im Staub liegen bis er merkte, dass er diesem seltsam aussehenden Mann total unterlegen war. Fung Siu Ching wollte San Gam sofort den Tee reichen (chinesischer Kung Fu Brauch, um Schüler eines Meisters zu werden). Doch San Gam lehnte mit der Begründung ab, keine jähzornigen Menschen unterrichten zu wollen.
Nachdem sich Fung Siu Ching in einer einjährigen Probezeit bei San Gam bewährte, wurde er in die Weng Chun Kuen Tradition aufgenommen. Er lernte zehn Jahre lang von San Gam. Darüber hinaus wurde Fung Siu Ching einer der berühmtesten Weng Chun Meister des asiatischen Raums.
Er konnte seinen ursprünglichen “Jähzorn” in unbändige Schaffensenergie für das Weng Chun umwandeln.

 

Blütezeit des Weng Chun Kuen im 19. Jahrhundert

Meister Fung Siu Ching unterrichtete damals Schüler aus ganz China, Singapur, Thailand und aus Indonesien (auch heute gibt es noch viele asiatische Weng Chun Schulen, die sich auf Meister Fung Siu Ching oder auf die “Rote Dschunke” beziehen). Er war einer der ersten hauptberuflichen Weng Chun Kuen Meister. Unterrichtsgruppen leitete er tagsüber und zu den Nachtstunden und er hatte zahlreiche Privatschüler.
Die Meisterschüler von Fung Siu Ching in Fatshan waren: Sein Sohn Fung Tin, die Gebrüder Lo, Tang Suen, Dung Jik und der “Apotheker” Ma Chung Yi.
GM Tang Yick mit seinen Schülern 1960 in China

 

 

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Security in Fatshan
Während der Ching Dynastie (1644 - 1911) waren nur größere Städte von der damaligen “Staatspolizei” gesichert. Kleinere Städte und Dörfer wurden von bekannten Kung Fu Meistern beschützt.
Meister Fung Siu Chings Meisterschüler bewachten viele Dörfer in Fatshan und Umgebung. Die Gebrüder Lo beispielsweise vertrieben, nur mit ihren Schmetterlingsmessern und Säbeln bewaffnet, ganze Räuberbanden. Einmal sollen die zwei Lo Brüder sogar zwanzig bewaffnete Räuber verjagt haben, ohne diese zu verletzen. Die Lo Brüder schnitten den Räubern nur die Kleider und Waffen vom Leib, so dass diese flüchteten. Ihr Weng Chun Kuen “Bruder” Meister Tang Suen bekam von den Menschen der beschützten Dörfer den Ehrentitel “König des Langstocks”, weil er sie auch vor größten Gefahren sicher mit dem Langstock beschützte.

Der Initiator WAI YAN

Wai Yan wurde am Anfang unseres Jahrhunderts als Sohn einer reichen chinesischen Familie in Hong Kong geboren.
Durch seinen älteren Freund Lo Chiu Woon kam der junge Wai Yan des öfteren mit der Kampfkunst Weng Chun Kuen in Berührung. Doch eigentlich wollte Wai Yan nichts von “Kung Fu” wissen, da er Kung Fu-Ausübende oft als gewalttätig und ungebildet erlebte. Wäre sein Freund Lo Chiu Woon (ein Nachkomme der Gebrüder Lo) nicht gleichzeitig Weng Chun-Meister und chinesischer Gelehrter gewesen, so hätte Wai Yan sicherlich keinen Kontakt zu ihm gehabt.
Weng Chun GM Wai Yan

 

 

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Die Patenschaft
Eines Tages fragte Lo Chiu Woon Wai Yan, ob dieser seinem jungen Sohn die Kunst des chinesischen Schreibens lehren würde (dies ist vergleichbar mit der Übernahme einer Patenschaft bei uns). Wai Yan willigte freudig ein, ohne sich der Folgen seines Versprechens gänzlich bewusst zu sein.
Er hatte nun die Mitverantwortung für den jungen Lo. Dies bedeutete wiederum für Wai Yan, dass er auch das Weng Chun Kuen beherrschen musste, das innerhalb der Familientradition der Los seit mehreren Generationen gepflegt wurde.
So begann Wai Yan - wenn auch eher unfreiwillig - etwa um 1930 Weng Chun Kuen bei Lo Chiu Woon und dessen Bruder Lo Hong Tai zu erlernen. Wai Yans anfängliche Ablehnung gegenüber dem Weng Chun Kuen wandelte sich in eine leidenschaftliche Begeisterung für diese Kampfkunst. Nachdem sich Wai Yan die Weng Chun Kuen Meisterschaft erarbeitet hatte, initiierte er ein neues Projekt mit Weng Chun, um die Kunst noch weiter auszufeilen.

 

Das Projekt
Meister Wai Yan baute eines seiner Geschäftshäuser namens “Dai Duk Lan” in eine Weng Chun-Forschungsakademie um. Er wollte in dieser “Forschungsakademie” keine Schüler annehmen, sondern die besten noch lebenden Weng Chun (Groß-)Meister seiner Zeit versammeln und vereinen. Diese sollten mit ihm dann in “Dai Duk Lan” das Weng Chun fern jeglicher Geheimniskrämerei auf seine Effizienz hin überprüfen und perfektionieren.
Als Modell diente das ehemalige Kloster von Shaolin. Über mehr als tausend Jahre lang wurde in der Weng Chun Halle auf diese Weise das Shaolin Kung Fu entwickelt und immer wieder überprüft.

Die Suche nach den großen Weng Chun Meistern beginnt

 

Der “Unbesiegbare” von Macao: Sifu Chu Chung Man
Nachdem Sifu Wai Yan von einem “unbesiegbaren” Weng Chun Sifu namens Chu Chung Man gehört hatte, machte er sich sofort auf den Weg nach Macao. Dort angekommen schloss er durch einen Zweikampf Freundschaft mit Sifu Chu Chung Man. Dieser galt in Südchina als der bekannteste Weng Chun Meister, da er immer alle Herausforderer mühelos besiegte und auch viele (Trainings-) Kontakte zu anderen Kung Fu Meistern pflegte. Sifu Chu Chung Man war so begeistert von Sifu Wai Yans Projekt, dass er nach “Dai Duk Lan” zog.

 

Der Weng Chun-Grappler Tam Kong
Sifu Chu Chung Man kannte wiederum Weng Chun Meister. Dieser spezialisierte sich auf Hebeln, Werfen und den Bodenkampf und konnte dort die meisten Gegner spielend besiegen, da viele Kung Fu Kämpfer dem Bodenkampf zu wenig Beachtung schenkten. Sifu Tam Kong schloss sich ebenfalls dem Projekt an.


Die “Könige” der Weng Chun-Waffen
In Fatshan wurden die Weng Chun Meisterschüler von Großmeister Tang Suen, Tang Yick und Pak Cheung, die “Könige” des Langstocks genannt. Sie vertrieben oft ganze Räuberbanden, nur mit ihrem Langstock oder ihren Schwertern bewaffnet.
Meister Pak Cheung galt seit der Chinesischen Kulturrevolution als verschollen (1978 fand man auf einem entlegenen Bauernhof in der Nähe Fatshans den alten Großmeister Pak Tscheong. Kurz vor seinem Tod konnte auch Andreas Hoffmann noch von ihm lernen).
Sifu Tang Yick konnte von Sifu Wai Yan in Hong Kong gefunden werden. Anfangs wollte Tang Yick sein Wissen nicht mit den anderen Weng Chun-Meistern teilen. Doch die Offenheit und die Herzlichkeit der Anderen veränderte seine Gesinnung.

 

Die 5 Drachen des Weng Chun Kuen
Mit Sifu Tang Yick war das Projekt auf 5 Mitglieder angestiegen:

Sifu Wai Yan,
Sifu Lo Chiu Woon,
Sifu Chu Chung Man,
Sifu Tam Kong
und Sifu Tang Yick
.
Täglich kämpften, diskutierten und lebten die Weng Chun-Meister zusammen. Sie luden auch Kung Fu Meister anderer Stilrichtungen zum Erfahrungsaustausch ein.
Die 5 Weng Chun Meister wurden von der chinesischen Bevölkerung ehrfurchtsvoll die 5 Drachen des Weng Chun genannt.
Das Projekt wurde von Wai Yan, Chu Chung Man und Tang Yick zwanzig Jahre lang verfolgt. In dieser Zeit versuchten sie ihr erworbenes Wissen immer wieder in Frage zu stellen und die Kunst des Zweikampfs zu 100% zu entschlüsseln. Ihr Ergebnis war eine Evolution des Weng Chun, das dem Lernenden noch mehr Sicherheit und Mühelosigkeit in seiner Selbstverteidigung ermöglicht.

Die 5 Drachen im Kreis ihrer Schüler
Anfang der 90´ger Jahren wurde das Weng Chun Mekka Dai Duk Lan geschlossen: Großmeister Tang Yick unterrichtete mit der Asssistenz von Sifu Tang Chung Pak bis zu seinem Tod in der Playing Field Road, Großmeister Wai Yan unterrichtete nur noch seine Privatschüler.

 

Die Gegenwart
Bis 2004 lebte der letzte Drache in Hong Kong: Großmeister Wai Yan.
Er initiierte das Projekt und überlebte es. Er wollte nie Schüler unterrichten. Doch Sifu Lau Chi Leong  war hartnäckig genug, von Großmeister Wai Yan als Schüler anerkannt zu werden.
1986 brachte Sifu Cheng Kwong den Deutschen Andreas Hoffmann zu dem letzten Drachen.
Andreas Hoffmann lernte bis1996 das geniale Weng Chun der 5 Drachen direkt von Großmeister Wai Yan. Er trat das ihm übergebene Erbe an und vertritt heute weltweit das Weng Chun Kuen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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